ZEMP Paul Alois

Aus Stammbaum Zemp & Duggen
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Paul Alois Zemp (9. Mai 1942 - 8. Juli 1996)

Unser lieber Paul Zemp wurde am 9. Mai 1942 in Richterswil geboren. Er wuchs mit zwei Geschwistern in einem vom Vater fast selbst gebautem Einfamilienhaus in Wollerau über dem Zürichsee auf. Seine Eltern waren einfache, redliche Leute. Mit seinem Bruder unternahm er viele Ausflüge in die umliegenden Wälder. Er war ein begeisterter Skifahrer, er liebte das Angeln und las schon als Junge viele Bücher.

Sein Wunsch, eine Grafikerlehre zu machen, wurde nicht verstanden, und so begann er eine Bauzeichnerlehre, die er nach 2 Jahren abbrach. Er wollte gern die Matura (Abitur) machen um Philosophie zu studieren, und hoffte dies in der DDR zu können. Doch er wurde wieder ausgewiesen und landete völlig ohne Geld in Hamburg. Um etwas zu essen zu bekommen, sang er für die Heilsarmee. Aus Dankbarkeit hat er in späteren Jahren die Heilsarmee immer unterstützt, und auch viele andere karitative Organisationen.

Um der Schweizer Polizei, die ihn als Deserteur suchte, nicht in die Hände zu fallen, schwamm er an der Schweizer Grenze über den Rhein - im Winter. Wieder daheim liess er sich bei den Gebirgsgrenadieren einteilen. Er war sehr beliebt und setzte sich immer für die Schwächeren ein.

Er hatte eine kurze Periode als Künstler, als Maler und Jazzmusiker und hatte sogar einige Ausstellungen. Dann begann seine Reisezeit. Er arbeitete nachts bei der Sihlpost in Zürich und konnte mit dem guten Verdienst von 3 Monaten Bücher kaufen und 9 Monate in der Welt herumreisen, zumeist in den arabischen Ländern, die er besonders liebte. Zweimal durchquerte er die Sahara. Um auf eine Karawane zu warten, verbrachte er einmal 5 Wochen in einer Oase und las seine Bücher, mit denen er den Rucksack vollgepackt hatte. Auf diese Weise erwarb er sich ein grosses Wissen um alle geistigen Richtungen der Welt. Diese ausserordentliche Liebe zu den Büchern machte er später zu seinem Beruf.

Nach 12 Jahren des Reisens war er des Alleinseins müde und wollte eine Familie gründen. In Beate fand er seine Lebensgefährtin, die seine Interessen mit ihm teilte. Mit ihr reiste er 2 Jahre in den Mittleren Osten und nach Indien, wo er am Fusse des heiligen Berges Arunachala seinem ersten geistigen Lehrer begegnete.

Zürich in der Schweiz mit nunmehr einer festen Tätigkeit bei der esoterischen Buchhandlung Weyermann in Bern kam auch der Wunsch nach Kindern auf. Seine beiden Söhne Eckhard und Winfried wurden in Schwarzenburg geboren, wo die Familie 7 Jahre lang in einfachsten Verhältnissen in einem Stöckli wohnte.

Paul hatte ungeheuer viel Mut und Begeisterung, als er 1975 mit Nichts einen eigenen Verlag gründete, dem er 20 Jahre lang sein Leben schenkte. Er fand Freunde, die ihm finanziell halfen, und so konnte sein Wunsch, nach Herausgabe vieler Bücher aus den verschiedenen mystischen Richtungen in Erfüllung gehen. Er lebte für seine Bücher und bekam grosse Anerkennung. Unendlich viele Menschen waren ihm dankbar dafür.

1980 zog er mit Verlag und Familie nach Interlaken um. Seine Arbeit sollte ihn die nächsten 15 Jahren völlig in Beschlag nehmen. Er bewältigte Tag für Tag ein riesiges Arbeitspensum. So vermochte er sein grosses Potential an Ideen in die Tat umzusetzen. Das Verlagsprogramm änderte sich allmählich vom Nachdruck alter seltener esoterischen Werke zur Herausgabe eigener Bücher in Richtung neuerer Esoterik, Lebenshilfe und Jungsche Psychologie. Die Bücher aber, denen seine besondere Liebe galt - er nannte sie Herzensbücher - waren die Bücher der Weisheit; so die Werke von Ramana Maharshi, die spirituelle Autobiographie von Irina Tweedie und die Bücher über Ammaji.

1984 trat seine zukünftige zweite Lebensgefährtin Urte in sein Leben, mit der ihn eine tiefe innige Gemeinschaft verbinden sollte. Die erste Ehe wurde in Frieden und gutem Einvernehmen geschieden. Seinen Söhnen, auf die er sehr stolz war, blieb er weiterhin ein guter, fürsorglicher und humorvoller Vater. Vor allem seine witzige Art und seine Spässe waren bei den Kindern sehr beliebt.

Schon vor einigen Jahren begann Paul Zemp zeitweise eine tiefe Müdigkeit zu spüren und die viele Arbeit, die ihnen nicht einmal gemeinsame Ferien möglich machte, als Last zu empfinden. Es waren dies wohl die ersten Vorboten der schweren Krankheit (Non-Hodgkin Lymphom), die im April 1995 erkannt wurde.

Mit Annahme und Vertrauen trug er das schwere Leiden mit seinen Besserungen und Rückfällen und die anstrengenden und schwächenden medizinischen Untersuchungen und Behandlungen. Zweimal verlor er seine Haare völlig. Auch in den Zeiten der Krise und starker Schmerzen liess er den Mut und die Hoffnung auf Besserung nicht sinken ohne aber den Tod zu verdrängen. Seine Krankheit führte ihn letztlich zu einer unerhörten geistigen und seelischen Reife und Tiefe. Seine Ausstrahlung bereicherte alle, die mit ihm zu tun hatten. Voll Würde ertrug er in den letzten Wochen seine völlige körperliche Hilflosigkeit und Abhängigkeit.

Nur eine Nacht verbrachte er im Krankenhaus, wo er am 8. Juli 1996 gegen 12:00 mittags völlig unerwartet aus diesem Leben schied. Ein wahrhaft edler Mensch hat uns verlassen! Ungewöhnliche Grosszügigkeit, Lauterkeit, Ehrlichkeit und ein hohes Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein zeichneten ihn aus. Alle, auch seine Geschäftspartner, sollten es gut bei ihm haben.

Er war ein Beschützer und Verteidiger der Schwachen und Hilflosen. Ungerechtigkeiten hasste er. Natürlich hatte er auch Schattenseiten, die seinen Lieben wohl bekannt waren.

Seine schönste Aufgabe war es, den vier spirituellen Lehrern, denen er begegnen durfte, mit seinen Büchern zu dienen. So war es auch kein Wunder, dass auf seinem Lebenswerk Gnade ruhte und er die Krankheit so ruhig und gelassen annehmen konnte. Ein besonderes inniges Verhältnis verband ihn mit dem Sufismus und mit Irina Tweedie, die ihm in seiner Leidenszeit mit ihren Briefen und Anrufen beständig beistand.

Im letzten halben Jahr führte er den Ansata-Verlag von Zuhause aus, das einzige Zugeständnis an sein Ruhebedürfnis, das er sich gönnte. Bis zum vorletzten Tag seines Lebens behielt er die Zügel fest in der Hand. Seine letzte Aufgabe, die er noch beenden konnte, war das neue Buch Ammachi, die uns zum Dank in den letzten 3 Wochen eine Reihe wunderbarer, selbstloser Helfer schickte. Dann nahm ihm Gott ganz sanft die Zügel aus der Hand.