Namensherkunft
Der Familienname Zemp
In der Schweizerischen Namenforschung schenkte man bis dahin der Deutung des Familiennamens Zemp keine besondere Beachtung. Das mag darin liegen, dass der Name in seinem Ursprunge auf das Entlebuch beschränkt war, wo er zwar heute in sämtlichen Gemeinden der Talschaft vertreten ist. Ein weiterer Grund der erwähnten Ausserachtlassung dürfte der Umstand sein, dass die Erklärung des Namens etwelche Schwierigkeiten bietet. Die letztern haben gleichwohl nicht ausgeschlossen oder vielmehr eher bewirkt, dass gewisse Namendeuter und Wappenlieferanten schnell zur Hand waren und verschiedenen Mitgliedern der Sippe der Zemp weiszumachen suchten, dass ihr Geschlecht aus Ungarn stamme und ursprünglich Zampa geheissen habe. So kam es, dass waschechte und reinblütige Entlebucher wähnten und beinahe davon überzeugt waren, in ihren Adern fliesse ein Schuss Ungarn- oder Zigeunerblut. Da Zampa und Zemp ähnlich lauten, mag der Name des Helden der Oper Zampa von Louis Herold zu dieser vollständig irrigen Anschauung wesentlich beigetragen haben. Nebenbei sei bemerkt, dass der Zampa der Oper kein Zigeunerhauptmann aus der Pussta, sondern ein Pirat in Sizilien ist.
Der Name Zemp ist bestimmt alemannischen Ursprungs. Altmeister Dr. J. L. Brandstetter äussert sich darüber in der Biographie von Ständerat Dr. Winiger über Bundesrat Dr. Josef Zemp: Der deutsche Personenname Zempo – Zempe – Zemp kommt schon vor im Jahre 1298 in Rapoldstein im Elsass, Zemp ist die Kurzform eines zweistämmigen Personennamens. Über die Bedeutung und volle Namensform kann man nur Vermutungen haben.
Mit der Ansicht, dass Zemp die Kurzform eines zweistämmigen Personennamens sein müsse, war Brandstetter auf der richten Fährte. Wir wollen nun versuchen, auf ihr weiter zu schreiten.
Erstmals urkundlich belegt, finden wir im Entlebuch den Namen Zemp im Steuerbuch von 1456. Dort wird unter den Steuerpflichtigen von Schüpfheim eine Els Zempen mit einem Vermögen von 250 Gulden angeführt. Wesentlich zur Deutung des Namens trug, wie wir noch vernehmen werden, eine weitere Eintragung im genannten Steuerbuche bei; denn wieder unter Schüpfheim entdeckten wird noch Claus Zimp und sin Wib mit 550 Gulden Vermögen.
Den letztern und weitere Namensträger des Zemp-Geschlechtes finden wir im Jahrzeitbuch von Entlebuch, das aus dem Jahre 1492 stammt und Jahrzeitstiftungen enthält, die zum Teil bedeutend älter sind. Auf Anfang Mai fällt hier eine Jahrzeitstiftung von Bernhard Zemp vom Bachgut bei Reherzen. Auf Ende September stiftete Klaus Zemp ab dem Gut Reherzen des Klaus Zempen eine Jahrzeit. Jener Hans Zemp, der am gleichen Tage eine solche ab der Obern Egg stiftete, muss ein naher Verwandter gewesen sein. Im Dezember, kurz vor Weihnachten, finden wir eine Jahrzeitstiftung von Verena, Klaus und Uli Zemp vom halben Hof Folischwand. Die hier genannte Verena Zemp dürfte mit jener identisch sein, die auf den 15. August im Jahrzeitbuch von Escholzmatt, das auf 1495 zurückgeht, eine Stiftung machte auf den nidren Kadelbach in Marbach. Interessant ist, dass die Zemp früher in unmittelbarer Nähe beieinander sassen und zwar auf Reherzen, Bach und Folischwand. Alle diese Güter lagen im Gericht Schüpfheim. Sie waren aber bis 1601 nach dem weit entlegenen Entlebuch pfarrgenössig und gehörten zu jenem Teil der Pfarrei, der als jener ob der Entlen bezeichnet wurde. Dies erklärt die steuerliche Belastung in Schüpfheim und die Jahrzeitstiftung in Entlebuch. Unser besonderes Augenmerk gehört dem weiter oben angeführten Klaus Zimp, der sich freilich mit dem Klaus Zemp von Reherzen decken dürfte. Zimp muss als die ältere Form von Zemp angesprochen werden. Und Zimp ist unzweifelhaft die Kurzform für den Personennamen Simpert, welches wiederum die gebräuchlichere Form für Simbert und Sindpert war. Den hl. Simpert finden wir 806 und 807 als Abt des Klosters Murbach im Elsass. Später bestieg er den bischöflichen Stuhl von Neuburg und Augsburg, welche zwei Bistümer er miteinander vereinte. Im Jahre 810 starb er und genoss alsbald den Ruf der Heiligkeit. Seine Kanonisation erfolgte aber erst 1468. Sein Fest fällt auf seinen Todestag, den 13. Oktober.
Aus der alemannischen Kurzform Zimp oder Zemp des Personennamens Simpert hat sich wohl im 14. Jahrhundert im Entlebuch der Familienname Zemp gebildet. Vielen alten Schriftführern muss dies wenn nicht bewusst klar, so doch im Sprachgefühl verankert gewesen sein. Denn in alten Protokollen und Akten finden wir neben der höchst seltenen Form Zimpt noch bis ins 18. Jahrhundert sehr oft die Formen Zembt, Zämbt neben Zempt und Zämpt bis sich dann schliesslich die heute einzig übliche Form Zemp herausgebildet hat.
Interessant an der ganzen Sache ist der Weg des Namens aus dem Elsass ins Entlebuch. Aber zwischen beiden Gebieten bestanden seit den ältesten Zeiten Verbindungen. Die Freiherren von Wolhusen dürften ohne Zweifel elsässischen Ursprunges gewesen sein und ihre Beziehungen dorthin nie abgebrochen haben. Zwischen Luzern und Murbach im Elsass herrschte seit Jahrhunderten ein enges Verhältnis. Als die Feudalherren als Weinabnehmer des Elsasses ausschieden, traten an ihre Stelle die Bauern und Bürger. Weinfuhren aus dem Elsass ins Entlebuch und bis in die Innerschweiz gehörten zum mittelalterlichen Handelsverkehr. Bei diesen wechselseitigen Beziehungen war es nichts Aussergewöhnliches, wenn ein Name aus dem Elsass seinen Weg ins Entlebuch gefunden hat.
Die Zemp waren ursprünglich, wie die meisten Entlebucher, Glieder des Bauernstandes. Später fanden viele auch den Weg zu Handwerk und Gewerbe. Da sie zu den Landleute-Familien gehörten, wurden ihnen schon seit 400 Jahren verschiedene Beamtungen übertragen. Die drei höchsten Ämter im alten Entlebuch wurden ihnen auch anvertraut: Kaspar Zemp von Schüpfheim war 1601 Pannermeister, Niklaus Zemp von Entlebuch finden wir 1639 als Landessiegler, und Hans Jost von Escholzmatt amtete 1779 als Landeshauptmann. Dieser letztere war 1748-1768 Gerichtsschreiber von Escholzmatt. Er war der Ahnherr einer stolzen Reihe von Gerichts-, Gemeinde- und Hypothekarschreibern bis auf die heutige Zeit. Unter den Zemp finden wir Lehrer und Professoren, Geistliche, Ärzte und Juristen. Unzählige von ihnen wirkten in Gemeinde, Amt und Kanton als politische Führer. Der prominenteste Vertreter ihres Stammes war Bundesrat Dr. Josef Zemp von Entlebuch. Noch heute lebt sein Andenken im Volke fort, wenn auch der Kreis jener, die ihn persönlich kannten, immer kleiner wird.
Die Zemp sind eine typische Entlebucherfamilie, die aus Bauernstamm entsprossen, sich im Laufe der Jahrhunderte ausdehnte und beruflich und räumlich sich in immer neue Gebiete festsetzte und doch der alten angestammten Heimat treu verbunden blieb. Und dass wir ihren Namen deuten und erklären konnten, freut uns.
Quelle: Staatsarchiv Luzern
Dictionary of American Family Names
German: Germanized form of Slavic Zemba farmer.
Oxford University Press, ISBN 0-19-508137-4